Die Chronik des Mülls

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Die Chronik des Mülls

Doch im Grunde gibt es überhaupt nichts Neues unter der Sonne. Was gewesen ist, das wird wieder sein; was getan wurde, das wird wieder getan.

»Sieh her«, sagen sie, »da ist etwas Neues!« Unsinn! Es ist schon einmal da gewesen, lange bevor wir geboren wurden. Wir wissen nur nichts mehr von dem, was die Alten taten.

Und was wir heute tun oder unsere Kinder morgen, wird auch bald vergessen sein. – Das Buch Koheleth 1, 9-11

In der Tat: Nichts Neues unter der Sonne. Betrachten wir unsere heutigen öffentlichen Verwaltungen, die Gerichtsbarkeit, die Exekutive, unsere Infrastrukturen, bishin zur Müllentsorgung, ... so wird man längst in der Antike und davor fündig.

Wo Lebewesen sind, entsteht Abfall. Um zu Leben müssen wir immer etwas zu uns nehmen und wieder abgeben. Der natürlichste Müll sind Urin und Kot. Seit je her betrachtet der Mensch die ihn umgebende Natur. Er lernt von ihr intelligente Prozessabläufe und effizientes Wechselspiel kennen. Wie ein Steinmetz oder Bildhauer, abbilden und abkupfern wir, die uns umgebenden Wunder des Lebens.

Archaische Funde belegen, die Menschen verbrachten schon früher den Müll auf Müllhaufen. Scherben, Knochen und organischen Materialien. Der archaische Mensch, der Naturnahe, verschmutzte seinen Lebensraum nicht. Erst durch die Ansammlung von Menschen und Tieren auf engen Räumen (Urbanisation, Landflucht) wurde eine öffentliche Daseinsvorsorge nötig.

1. Die Ingenieure der Antike

Im antiken Griechenland und Rom finden wir bereits die naturgegebene Unterteilung der Abfälle in feste und flüssige. Die Abwasser wurden in den Stadtsiedlungen durch zum Teil mannshohe Abwasserkanäle in die Flüsse entsorgt. Richtungsweisend hierbei waren besonders die antiken Römer. Mit ihren architektonischen Meisterleistungen, den Wasserleitungen und Fernstraßen, Arenen, Abwasserkanälen, Theatern und Festungsanlagen, Badeanstalten und Wohnblocks, setzten sie Standards, welche wir auch heute verwenden.

Roms Großbauwerke bestanden großteils aus einer Art wasserundurchlässigem Zementmix. Einer Mischung aus Kiesel, Kalk und Vulkanasche, welcher dem heutigen Beton in nichts nachsteht. So schufen die römischen Ingenieure der Antike die Voraussetzung für eine Schlagkraft, die die Blitzexpansion zu einem Weltreich mit Großstädten, Frisch- und Abwasserleitungen sowie 100.000 Kilometern gepflasterte Fernstraßen erst möglich machte.

Alle Bautätigkeiten davor beruhten auf der aufreibenden Stein-auf-Stein-lege-Methode. Wer dagegen mit Beton gießen und bauen konnte, anstatt Steinblock auf Steinblock zu packen, dem stand die antike Welt offen oder lag sie zu erobern fast schon zu Füßen. Die Architektur und die Kunstfertigkeiten der Römer wurden natürlich auch durch die vielen, von ihnen eroberten, Völker mit beeinflusst.

1.1 Antike Abfalltrennung

In den antiken Statdtsiedlungen wurden die Abfälle noch weiter unterteilt: in verbrennbare, weiterverwertbare und nichtverrottbare. Feste und nicht weiter verwertbare Abfälle wurden frühmorgens von Sklaven mit Handkarren zum Verrotten außerhalb der Stadtmauern gebracht. Wiederverwertbares wurde aufbewahrt, Brennbares dem eigenen Herdfeuer zugeführt, Abwässer wurden über ausgeklügelte Abwasserkanäle in die Flüsse entsorgt. Dagegen, die Abwässer der menschlichen Körper, der Harn, wurde vielfach gesammelt. Dazu waren an vielen Ecken und öffentlichen Plätzen größere Amphoren (Latrinen) aufgestellt, die der kleinen Notdurft dienten. Die im Harn enthaltenen 5% Säuren, (95% sind Wasser), verwendete man etwa zum Färben blauer Farbe und vermischt mit Asche, zum Waschen von Kleidern. Der im Urin enthaltene Ammoniak diente der Ledergerbung sowie dem Härten von Eisenmetallen und Waffen. Jeder Magistrat (Stadtteil und Amt) war für die Entsorgung des Mülls zuständig.

Hierher gehört auch der Spruch „Geld stinkt nicht" (pecunia non olet). Er stammt aus dieser Zeit, aus dem antiken Rom. Kaiser Vespasian (9-79), welcher talentiert ausgefallene Steuern erfand, um den Staatshaushalt zu sanieren, errichtete auf die öffentlichen Toiletten eine Latrinensteuer. Titus, sein Sohn, war darüber derart verärgert, dass sein Vater sich denn nicht schäme, selbst sogar noch die menschliche Notdurft, zu besteuern, dass er seinen Vater folgendermaßen provozierte: Er hielt dem Kaiser, nun das erste Goldstück aus dieser „Klosteuer" unter die Nase und fragte ihn, ob es denn nicht stinke? Der Kaiser schnupperte und gab unbeeindruckt zurück: „Stinkt nicht!" (Non olet).

2. Das schmutzigste aller -alter, das Mittelalter

„Als die ersten Missionare nach Afrika kamen, besaßen sie die Bibel und wir das Land. Sie forderten uns auf zu beten. Und wir schlossen die Augen. Als wir sie wieder öffneten, war die Lage genau umgekehrt: Wir hatten die Bibel und sie das Land."

– Desmond Mpilo Tutu, anglikanischer Erzbischof und Friedensnobelpreisträger

Über Jahrhunderte waren die prioritären Interessen der geistlichen und weltlichen Obrigkeit nicht das Wohl ihrer Untertanen, sondern globale Plünderungen, Gründungen von Kolonien, starke aber billige Söldnerheere, Sklavenhandel, Handel mit Gold, Silber, Edelsteinen, Gewürzen und Opium. Jene armen Menschen – in Europa zumeist Leibeigene – die zwar die steten Kriege und Hungersnöte überlebten, liefen schließlich der Pest und Cholera in die Arme.

Angeführt von Blinden, vernachlässigte man, bis herauf ins späte Mittelalter, Straßenwesen, Abfallbeseitigung, Körperpflege, Daseinsvorsorge überhaupt. Man hat alles das, über Jahrhunderte einfach als unwichtig, weil kein Geld einbringend, aufgegeben. Das bereits in der Antike vorhandene Gesundheitswissen, gesatztes Recht und Ordnung, ausgeklügelte und geregelte Abwasser- und Müllbeseitigung, galt den verheerenden Herrschern, wie unnützer Tand. Organischen Abfälle warf man den Schweinen vor. Müll landete vorm Haus auf den Straßen.

Die Menschen waren schlussendlich dermaßen dezimiert und ausgemergelt, dass an weiteren Eroberungen und Heereszüge, nicht mehr zu denken war. Die meisten Kriegskassen waren leer, eine Menge Völker beinahe ausgerottet, die Überlebenden unterernährt, krank oder beides. Dessen gänzlich unbekümmert, war aber das durch den Geldadel verliehene Geld an die Herrscherhäuser, den Verleihern auf Heller und Pfennig, samt Wucherzinsen, abzubezahlen. Der Geldadel war meistens „neutral" geschäftstüchtig: Denn er verlieh Geld vorzugsweise an beide oder alle Kriegsparteien. Natürlich nicht auffällig. Manchmal bestand der kleine (nicht neutrale) Unterschied, bloß in der Zinshöhe.

2.1 Die Plebejer legen die Arbeit nieder

Die Verfassung eines Staates sollte so sein,

dass sie die Verfassung des Bürgers nicht ruiniere.

– Stanislaw Jerzy Lec

Was also war zu tun? – Man besann sich auf die Antike. Rechtswesen, Verwaltung, Gesundheitsversorgung, Straßen und Stadtplanung wurden wieder Magistraten unterstellt. Die altrömische Rechtsordnung wurde weitgehend 1:1 aufgenommen, mangels eigenen Gesetzen oder Rechtsordnungen und gegebenenfalls etwas angepasst. Geistlichkeit und Adel wurden „zum Teufel gejagt". Wie Roms Plebejer, mit ihrem dreimaligen Auszug, den Herrschenden aufzeigten, wann es genug der unentwegten Unterdrückungen war, erhob sich das Volk und erzwang politische Ämter. Die beiden Herrscher, Kirche und Adel, hatten über Jahrhunderte eingesackt und bis zur Blutleere, Volk und Völker abgewrackt.

3. Die Lumpensammler

Das Lumpensammeln war ein wichtiges Gewerbe, welches meist arme, invalide Frauen ausübten. Dem Metallsammeln gingen eher arbeitsunfähige Männer nach. Den Handel von Lumpen und Altmetall, teilten sich überwiegend die Bürger jüdischer Konfession.

Bis hinein ins 20. Jahrhundert, karrten Restesammler ihre Handkarren von Haus zu Haus, – wer es sich leisten konnte, spannte zwei Hunde vor den Wagen. Jene Menschen sammelten abgetragene, verschlissene Kleidungsstücke oder Stoffreste und verkauften diese an die Zwischenhändler weiter, seltener direkt an Papiermühlen. (In den Anfängen gewann man Papier aus Gewebeabfällen durch Verfilzung.) Nach der Erfindung des Buchdrucks stieg der Bedarf an Druckpapier derart eklatant, dass manchmal sogar regelrechte Lumpennot herrschte. Die Papierindustrie benötigte dringendst den begehrten Rohstoff. – Die Männer verkauften ihre gesammelten Eisen und Buntmetalle an die Zwischenhändler, diese verkauften an die Gießereien, wo die Metalle eingeschmolzen wurden.

Die damals ohnehin niedrige Lebenserwartung, war im Lumpensammlergewerbe nochmals deutlich reduziert, durch den Lumpenstaub und die darin enthaltenen Krankheitserreger.

4. Ordnung ins Chaos

„Alles, was die Natur selbst anordnet, ist zu irgendeiner Absicht gut. Die ganze Natur überhaupt ist eigentlich nichts anderes, als ein Zusammenhang von Erscheinungen nach Regeln; und es gibt überall keine Regellosigkeit." – Immanuel Kant

Die Aufklärung und die einsetzende Industrialisierung trugen mit dazu bei, um aus dem Sumpf wieder herauszukommen. Die in der Antike längst bekannte Wechselbeziehung zwischen Hygiene, Nahrung und Krankheiten, rückten jetzt mehr in den Vordergrund. Es entstanden erste Armenhäuser, Orte der Krankenbehandlung, Abfallbeseitigungsanlagen und Kanalisationen. Denn es war klar, auch für ein gesellschaftlich notwendiges und erfolgreiches Produzieren sei es unerlässlich, eine funktionierende Infrastruktur zu haben, wozu ein zu errichtendes Gesundheitswesen sowie eine Müll- und Fäkalienentsorgung zählten.

Jene Städte und Länder mit der damals besten Infrastruktur, also Energie, Verkehrswege, Abfallwesen, Verwaltung und Sicherheit, Gesundheitswesen, Arbeitersiedlungen, Ausbildungsstätten und Schulen, zogen massenhaft Geldflüsse und Arbeitsfähige an.

Die bereits im antiken Rom bekannten Spülaborte, wurden in Europa im beginnenden 19. Jahrhundert wiederentdeckt und in die Häuser eingebaut. Abfall wurde wieder in Gruppen unterteilt und einer geordneten Beseitigung zugeführt.

5. Weiter voran

Um 1860 begann, was man sich unter Müllabfuhr vorstellt. Etwa über 100 Jahre verbrachten die Müllwagen den festen Abfall auf Müllhalden. 1876 entstand die erste Müllverbrennungsanlage in England. 1894 folgte Hamburg.

Österreichs erste Müllverbrennungsanlage im Westen Wiens (Flötzersteig) nahm 1964 den Vollbetrieb auf. Der Standort wurde so gewählt, dass genügend öffentliche Großabnehmer (Spitäler, Großbetriebe, MA 48) die Fernwärme unentwegt abnehmen sollen.

Dennoch wurde weiterhin jahrelang Müll auf angelegte Müllhalden gekippt, welche am Stadtrand angesiedelt waren. Ab 1975 kamen nach und nach gesetzliche Auflagen, welche Müll auf Halden – wenn überhaupt – nur in Grundwasser sicheren, also abgedichteten Halden erlaubten. Zudem mussten etliche alte Müllhalden wieder „geöffnet" und der Müll, sowie sämtliches kontaminierte Erdreich abgetragen werden, infolge nicht mehr genießbarem Grundwassers.

Die noch etwas unausgegorenen rechtlichen Vorgaben, regelten zwar die Müllentsorgung, jedoch nicht die Müllproduktion. Die Industrie konnte also mangels Gesetzen, fortgesetzt umweltschädigend weiter produzieren. Abfallvermeidung und weitestgehende Wiederverwertung – als beste Lösung – setzten sich aber langsam doch durch. Schließlich bekam Österreich 2002 mit dem Abfallwirtschaftsgesetz ein modernes, zeitgemäßes Rechtsregelwerk, welches auch internationalen Umweltstandards standhält.

6. Schluss

Heute hinterlässt jede Person in Zentraleuropa ca. 450 Kilo Haushaltsmüll pro Jahr. Hinzu kommen noch die Abfälle aus Industrie und Gewerbe.

Man kann feststellen, das Geschäft mit dem Müll ist sehr lukrativ, es boomt, und weil die gesetzlichen Rahmenbedingungen dazu geschaffen sind, funktioniert das System nun doch sehr zufriedenstellend. Verbesserungen natürlich, gibt es allemal.

Aber aufgepasst, auf den finanziellen Geschmack gekommen, versuchen Geldmagnaten nun weltweit, noch mehr Geld herauszupumpen, ohne tatsächlich die bessere Gesellschaft und ihre gesunde Umwelt im Auge zu haben. Denn: „Geld stinkt nicht!"

Als Beispiel dazu, ein Ausschnitt eines ZDF Beitrages, vom 27. Februar 2018, Dauer 6 Minuten: Skandalöser Handel mit dem Klima

PS: Sollte der Link nicht klappen, einfach in YouTube „Skandalöser Handel mit dem Klima" eingeben.


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