Müllablagern in Wald und Flur/ Sperrmüll am Straßenrand

Manche Menschen entrümpeln ihr Haus und werfen es dann in den Wald

Müllablagern in Wald und Flur/ Sperrmüll am Straßenrand

Eines Volksschülers Aufsatz zum Thema Umwelt begann mit der Stilblüte:Manche Menschen entrümpeln ihr Haus und werfen es dann in den Wald.

Der Aufsatz dürfte trotz der Eingangsstilblüte wohl gut bewertet worden sein, wegen des angezeigten Umweltbewusstseins des jungen Schreibers.

Nun, die meisten Dinge, die bis etwa 1980 auch in Wald und Flur entsorgt wurden, werden heute kostenfrei in den örtlichen und regionalen Sammelstellen entsorgt. Dem kommen auch gut 95% der Bürger und Bürgerinnen nach.

Aber auch heute müssen ab und an, die Mannschaften der Gemeinden oder Gemeindeverbände noch ausrücken, um illegal in Wald und Flur hinterlassenen Großabfall, wieder einzuholen und einer geregelten Entsorgung zubringen.

1. Die 1960-iger bis 1970-iger Jahre

Das waren jene Jahre, als in Österreich die ersten schwarz-weiß Fernsehkästen langsam-langsam in den Haushalten Einzug hielten. Davor sah man fern in Wirtsstuben und Gasthäusern. Hatte ausnahmsweise jemand in der eigenen Verwandtschaft ein Flimmerkasten, so wurden diese Verwandten oft und gerne aufgesucht. Zwar begann 1972 in Österreich die offizielle Farbfernsehausstrahlung, aber es dauerte noch viele Jahre, bis sich die Menschen von ihren Schwarz-Weiß-Flimmerkästen trennten. Die Kassettenrekorder mit Aufnahmefunktion kamen zeitgleich auf den Markt. Hip war es auch, beim gemeinsamen Zusammenkommen, über den Diaprojektor an eine Dialeinwand die eigenen Urlaubs-Dias zu präsentieren.

In jedem Dorf war fix ein Gendarmerie-Posten. Die Jugend läutete in der Zurschaustellung ihres Körpers und schräger Kleidung die neue Generation ein. Die jungen Männer trugen langes Haar, Glockenhosen und „Milanos" (spitzes Schuhwerk); die jungen Damen zeigten, durch Miniröcke, Hotpants und bauchfreie Blusen mehr, als was erlaubt war. Bluejeans und Tennisschuhe entdeckten beide Geschlechter für sich. Man spielte Klick-Klack, entnahm der Zeitschrift Bravo den allerletzten Schrei und pinnte die Poster aus dem Mittelteil, an die eigenen Türen und Zimmerwände. Man rauchte, trank Whisky, hörte Beatles, Rolling Stone und Creedence Clearwater Revival.

Die Haushalte erhielten bei der Einleitung eines Hausapparates (Telefon) – sofern sie es sich überhaupt leisten konnten – Viertel-, oder Halbanschlüsse. Je vier oder zwei Haushalte teilten sich gemeinsam einen Telefonanschluss. Wurde an einem Teilhaber-Anschluss telefoniert, hatte man Pech und wartete, bis die Leitung wieder frei war. Das hört sich schlimm an. Das war es aber nicht.

Die Kinos waren bis aufs Beste besucht. Obligatorisch vor jedem Hauptfilm gab‘s die Austria Wochenschau oder Fox‘ tönende Wochenschau, ein für das Kino wöchentlich neu produziertes Nachrichtenformat, das über politische, gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Ereignisse der Woche davor, berichtete. Dann folgte für die Erwachsenen Spartakus, Ben Hur, Doktor Schiwago, Love Story, Spiel mir das Lied vom Tod, Kung-Fu mit Bruce Lee, Einer flog über das Kuckucksnest, Rocky, der Clou, ... um nur einige Filmklassiker zu nennen. Für die Jüngeren gab es Dick & Doof, Micky Maus, Peter Pan, Mary Poppins, Tschitti Tschitti Bäng Bäng, Das Dschungelbuch, Ein toller Käfer, 101 Dalmatiner, Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer, Asterix, ...

Diese 20 Jahre waren insgesamt lohnend. Die Menschen waren lebensbejahend und stimmungsvoll, wie ein herzerfrischender Frühling nach einem derben Winter.

2. Müllhalden

Politisch und wirtschaftlich hatte man nach dem Krieg bis in die 1980-iger vorerst noch etliche andere Sorgen, als Natur-, Umwelt- und Tierschutz. Erst, nachdem die Wirtschaft boomte, (privat und öffentlich wurde gebaut und in den Fabriken produziert, was das Zeug hielt), konnten Umweltschutz, Naturschutz und Tierschutz bei den Bürgern, als Thema etabliert werden.

Der Abfall privater Haushalte wurde in Österreich bis etwa 1980 entweder auf Müllhalden (Deponien) geschüttet oder unter freiem Himmel verbrannt. Auch große Bombenkrater aus dem Zweiten Weltkrieg, sofern der Platz dafür passend schien, wurden mit Müll aufgefüllt. Weiters war es üblich, jährlich das gesamte oder verbleibende Stroh gleich am abgeernteten Feld direkt zu verbrennen, – den alljährlich anfallenden Laubhaufen im Garten sowieso. Selbst Müllhalden wurden ab und an gezielt abgefackelt – durch Gemeindearbeiter, oder wen auch immer, – um weiteren Platz für nachkommenden Müll zu schaffen. Weil der Platz für weitere Deponien allmählich knapp wurde, erwachte Handlungsbedarf.

Autoreifen, Kühlschränke, Autowracks, Motorenteile, Waschmaschinen, gebrauchte Möbel, Glas und Eisenbehältnisse, Bauschutt, Farben, Lackreste, Giftstoffe aller Art, ... wurden auf einer nahen Müllhalde entsorgt, und das galt für damalige Verhältnisse schon „umweltbewusst". Nicht umweltbewusst war es, Müll und Sperrmüll einfach im Wald oder auf Wiesen zu entsorgen, was aber leider auch Praxis war. Es gab keine, jedenfalls nicht flächendeckend und einfach zu erreichende, Müll-Annahmestellen. Autos waren noch rar und gab es maximal eines pro Familie. Man schob also noch den eigenen Karren selbst zur Müllhalde und kippte den Müll dort ab. Ältere Mitbürger erinnern sich, der Motorölwechsel wurde kostensparend am Fahrbahnrand, an einem Wiesen- oder Waldstreifen oder über einem Kanaldeckel durchgeführt.

Der Kinder Neugier sowie der Jugendlichen Erfinder- und Forscherdrang wurde u. a. auch auf den Müllhalden befriedigt. Da gab es Dingsbums und Komponenten zu bestaunen, welche ein junger Mensch sein Lebtag noch nicht gesehen hatte. So kam manches wieder von der Müllhalde ins Haus. Vor den Eltern war dieses heimgebrachte „Gelumpe" zumeist besser zu verbergen.

3. Was ist Sperrmüll?

Als Sperrmüll gelten sperrige nicht gefährliche Abfälle, die auch nach zumutbarer Zerkleinerung nicht in die öffentlichen Restmüllbehältnisse passen (z.B. Matratzen, Waschbecken, Fenster, Sportartikel, Möbel, Bodenbeläge, große Kunststoffgegenstände, große Haushaltsgeräte). Jedoch kann es regional manchmal ein leichtes Abweichen dieser Definition von Sperrmüll geben.

4. Was zählt nicht zum Sperrmüll

Baumaterialien, Steine, Ziegel, Glas, Keramik, Altmetall, Badewannen, Pflanzenbestandteile, wie Wurzel, Grünschnitt, Restmüll, Sondermüll wie Lacke, Gifte, Medikamente, große Elektrogeräte generell, wie Kühlschränke, Waschmaschinen, Fernseher und ebenso klein(st)e Elektrogeräte.

5. Darf man Sperrmüll vom Gehsteig einfach mitnehmen?

In aller Regel darf man die Sachen mitnehmen! In einigen Gegenden gilt es manchmal als ordnungswidrig, Sperrmüll nach gut erhaltenem Müll zu durchsuchen. Die Straftatbestandsmerkmale wie Diebstahl oder Unterschlagung liegen zumeist nicht vor, da das zur Entsorgung Abgestellte, wie herrenloses, niemand gehörendes Gut betrachtet werden kann. Mit dem Hinausstellen des Sperrmülls – ohne irgend einen schriftlichen oder sichernden Hinweis – erklärt der Eigentümer schlüssig und willentlich, die Aufgabe seines Eigentums.„Bewegliche Sachen, welche der Eigentümer nicht mehr als die seinigen behalten will, und daher verläßt, kann sich jedes Mitglied des Staates eigen machen."(§ 386 ABGB, Sachenrecht).

Dagegen kann man einwerfen, dass den für Sperrmüllsammlungen bereitgestellten Sachen, ein Übereignungswille anhaften könnte, etwa an eine bestimmte Organisation oder Person, und dieser Übereignungswille die Sachen eben nicht herrenlos macht. ZB, jemand möchte seinen Sperrmüllausschließlichan die Gemeinde abgeben. In so einem Fall, wäre es anempfohlen, diesen Sperrmüll schriftlich und mit Signal-Sperr-Bändern als gebunden zu kennzeichnen. Wer solch gekennzeichnete Sachen dennoch nehmen würde, der erfüllte dann das Tatbestandsmerkmal Diebstahl oder Unterschlagung.

Zusammenfassend: Müll darf dann mitgenommen werden, hat der „Raussteller" sichtlich kein Interesse mehr daran und es ihm somit erkennbar egal sei, wer schließlich seinen Müll mitnimmt.

6. Die beiden Lager

„Auf drei Säulen ruht unsere Gesellschaft: Höhere Interessen, niedere Beweggründe und gesundes Mittelmaß." – Wolfgang Mocker

2010 hat man durch punktuelle Verkehrszählungen und andere Messungen hochgerechnet, dass in Österreich im Jahr 80.000 Tonnen an Gegenständen wie Sperrmüll, Metalle, Elektro-Altgeräte und Kleidung pro Jahr informell gesammelt werden, wovon 65.000 Tonnen über die österreichische-ungarische Grenze verbracht.

Durch universitäre Studien nachgewiesen, ist es ökonomischundökologisch sinnvoll, werden Sperrmüll, Elektrogeräte oder Alteisen alsdann in Osteuropa verkauft, repariert und wiederverwendet; – dagegen reklamieren österreichische Abfallsammelzentren Einnahmen-Entgang aus diesem Rohstoffverlust, und nennen es illegalen Abfallexport.

Es besteht also ein Interessenskonflikt mit juristische Grauzone. Je nachdem, auf welcher Seite des Interessenskonflikt man steht, sprechen die „Hardliner" vonillegalen(ausländischen) „Kleinmaschinenbrigaden" oderlegalen(heimischen) Altstoffsammlern; die „Moderaten" dagegen reden vonformellen(heimischen) undinformellen(ausländischen) Altstoffsammlern.

Die Moderaten erkennen in den zahlreichen Sammlern aus Osteuropa konstruktive und gut integrierte selbständige Mitarbeiter, am österreichischen Müllberg, welche zugleich für sich und ihre Familien damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Ab 2009 begann man deshalb eine funktionierende Win-Win-Lösung, also eine friedliche Koexistenz für alle formellen und informellen Beteiligten zu erarbeiten. Die informellen Sammler kennen die österreichischen Bedingungen, sowie die rechtlichen Auflagen und führen seither Aufzeichnungen und Schenkungsnachweise mit sich, welche diese an den Grenzen auf Verlangen vorzuweisen haben. Insgesamt kann man feststellen, dass diese privaten Sammler ruhig, höflich und gewissenhaft sind, nichts stehlen und keinen „Saustall" hinterlassen. Wie in jeder Gruppe von Menschen, gibt es natürlich auch in dieser Gruppe eine Minderheit, welche diese positiven Kriterien nicht erfüllen.

Ganz anders sieht dies die größte Gemeinde Österreichs, die Gemeinde Wien, deren Durchführungsorgan in Sachen Müllvermeidung, Müllsammlung und Müllverwertung, die MA-48 ist. (Magistratsabteilung Nr. 48). Ebenfalls ihre Argumentation ist stichhaltig, nachvollziehbar und praxisnah. So finden Sie, geschätzter Leser, auf der Seite der MA 48 unter anderem den Appell:Stopp den illegalen Abfallexport und dem passenden Plakat: „Österreichs Rohstoffe sind kein Müll!"

7. Schluss

Es genügt nicht, sich zur freien und sozial verpflichtenden Marktwirtschaft zu bekennen. Man muß ihr in der Gegenwart die Rahmenbedingungen geben, in der sie sich zum Wohl aller in einer Gesellschaft entwickeln kann. – Wolfgang Kownatka

Sind die festgelegten Rahmenbedingungen der Herrschenden gedeihlich den Menschen, folgen bald darauf Verbesserungen für Tier und Umwelt. Oder anders dargelegt: Geht es erst den Menschen gut, dann kümmern sich dieselben von selbst, wollend um die Verbesserung ihrer Mitwelt und Umwelt.


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