Die Chronik des Mülls von der Antike bis heute
Rümpel Max Wien
24. Mai 2015
Die Geschichte des Mülls – Vom Abfall zum Wertstoff

Wo Leben ist, entsteht Müll. Seit jeher nehmen wir Nahrung auf – und geben Reste wieder ab. Urin und Kot zählen zu den ursprünglichsten Formen des Abfalls. Doch schon früh beobachtete der Mensch die Natur, lernte von ihren Kreisläufen und versuchte, diese nachzuahmen. Wie Bildhauer formen wir die Welt, inspiriert von natürlichen Prozessen.
Bereits in der Urgeschichte legten Menschen Müllhaufen an. Archäologische Funde wie Scherben, Knochen und organische Überreste belegen das. Der frühzeitliche Mensch lebte im Einklang mit seiner Umwelt. Erst mit der zunehmenden Sesshaftigkeit, Urbanisierung und Landflucht wurde eine organisierte Müllentsorgung notwendig.
1. Müllentsorgung in der Antike: Die Ingenieure Roms
Schon im antiken Griechenland und Rom wurden Abfälle in feste und flüssige Stoffe unterteilt. In Rom leitete man Abwässer durch ausgeklügelte, mannshohe Kanalsysteme direkt in die Flüsse.
Die Römer gelten als wahre Baumeister: Mit Aquädukten, Kanalisation, Badeanstalten, Straßen und Wohnblöcken legten sie das Fundament für moderne Städte – inklusive Frisch- und Abwassersystemen.
Ihr selbst entwickelter Beton aus Kalk, Vulkanasche und Kiesel war ein Meilenstein und ermöglichte monumentale Bauwerke, die bis heute bestehen.
1.1 Antike Mülltrennung & Wiederverwertung
In römischen Städten wurde Müll differenziert gesammelt:
- Verwertbares wurde aufbewahrt
- Brennbares ins Herdfeuer geworfen
- Nicht verwertbares frühmorgens von Sklaven außerhalb der Stadt entsorgt
Sogar Urin wurde gesammelt – in Amphoren an öffentlichen Plätzen. Der enthaltene Ammoniak wurde zum Waschen, Gerben von Leder oder Härten von Eisen genutzt.
2. Das Mittelalter – Ein Rückschritt in Sachen Hygiene
Im Mittelalter geriet vieles in Vergessenheit. Abfallentsorgung, Kanalisation, Hygiene – all das verlor an Bedeutung. Die Mächtigen kümmerten sich mehr um Kriege, Eroberungen, Kolonien und Reichtum als um das Wohl des Volkes.
Abfälle wurden auf die Straße geworfen, Schweine dienten als „Müllabfuhr“. Krankheiten wie Pest und Cholera breiteten sich rasant aus.
2.1 Revolution durch das Volk
Erst durch gesellschaftliche Umbrüche – vergleichbar mit dem Auszug der Plebejer im alten Rom – wurde das Gesundheits- und Abfallwesen wieder reformiert:
- Verwaltung, Gesundheitswesen und Straßenbau wurden neu organisiert
- Die antike Rechtsordnung wurde übernommen
- Klerus und Adel verloren an Einfluss
3. Die Ära der Lumpensammler
Lumpensammlerinnen – meist arme, invalide Frauen – sammelten alte Stoffe, Männer meist Altmetall. Diese Rohstoffe waren begehrt:
- Lumpen wurden zu Papier verarbeitet
- Metalle an Gießereien weiterverkauft
Doch das Gewerbe war gefährlich: Der Lumpenstaub übertrug Krankheiten und verkürzte das Leben der Sammler erheblich.
4. Vom Chaos zur Ordnung – Aufklärung & Industrialisierung
Mit der Aufklärung und Industrialisierung rückten Themen wie Hygiene, Abfallwirtschaft und Infrastruktur wieder in den Fokus. Erste Armenhäuser, Krankenstationen und Kanalisationen wurden errichtet.
Die römischen Spülaborte feierten ein Comeback – ebenso die Mülltrennung. Infrastruktur wurde zum Standortvorteil für ganze Städte und Regionen.
5. Moderne Müllabfuhr & Müllverbrennung
Ab 1860 begann die moderne Müllabfuhr. Meilensteine:
- 1876: Erste Müllverbrennungsanlage in England
- 1894: Hamburg folgt
- 1964: Erste Verbrennungsanlage in Wien (Flötzersteig)
Erst ab 1975 kamen gesetzliche Auflagen für grundwassersichere Deponien. Alte Halden mussten teilweise wieder ausgehoben werden.
Dennoch: Die Industrie produzierte weiter ungehindert umweltschädlich, da die Müllproduktion selbst kaum reguliert war.
6. Die Wende: Österreichs modernes Abfallrecht
Mit dem Abfallwirtschaftsgesetz 2002 etablierte Österreich ein modernes Regelwerk:
- Abfallvermeidung als oberstes Ziel
- Förderung von Recycling und Wiederverwertung
- Strenge Vorschriften für Deponien und Mülltrennung
Die Müllwirtschaft wurde zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor – doch wirtschaftliche Interessen dürfen nicht den Umweltschutz überlagern.
Fazit: Müll als Spiegel der Gesellschaft
Jede Person in Zentraleuropa verursacht heute rund 450 Kilogramm Haushaltsmüll pro Jahr. Die Müllwirtschaft boomt – und mit ihr die Versuchung, aus Abfall reinen Profit zu schlagen.
Doch es bleibt unsere Verantwortung, die Abfallwirtschaft nachhaltig und umweltfreundlich zu gestalten. Denn:
Tipp: Der ZDF-Beitrag „Skandalöser Handel mit dem Klima“ (27. Februar 2018, ca. 6 Minuten) ist auf YouTube verfügbar.
Als Beispiel dazu, ein Ausschnitt eines ZDF Beitrages, vom 27. Februar 2018, Dauer 6 Minuten: Skandalöser Handel mit dem Klima
PS: Sollte der Link nicht klappen, einfach in YouTube „Skandalöser Handel mit dem Klima" eingeben.

